Wie das Leben so spielt

Die Reproduktion neuen Lebens ist ein faszinierender, unglaublich komplexer Prozess. Diese wunderbare Verwandlung der befruchteten Eizelle zu einem neuen gesunden Individuum ist störanfällig. So entstehen gelegentlich Individuen die allein nicht überlebensfähig wären. Unser hochentwickeltes Medizinwesen kann die ein der andere „Reparatur“ vornehmen um einzelnen Individuen so zu helfen dass ein Leben ohne Hilfe möglich ist.

Zwei Menschen mit Kinderwunsch ist es passiert. In den Prozess der Entwicklung ihrer Tochter zum Kleinkind hat sich ein Fehler eingeschlichen. Die Leber funktionierte nicht. Die kleine Familie hatte Glück. Mit 5 Jahren konnte Lischen* eine Spenderleber erfolgreich eingepflanzt werden. Ende gut Alles gut? - Nein.

Die vielen, überwältigenden Sorgen um Lischen haben die Eltern bis über ihre Grenzen hinaus gefordert und hatten sich in ihren Köpfen festgefressen. Lieschen hatte, nicht zuletzt durch die vielen Behandlungen, sowie durch die Sorgen behafteten Eltern, Entwicklungsdefizite.

Als ich die kleine Familie kennen lernte waren die Eltern in sich gekehrt, ständig jede Handlung der Tochter argwöhnisch beäugend. Die Tochter klammerte und sprach kein Wort. Einzige verbale Kommunikation – den Eltern ins Ohr flüstern.

Lischen hatte die 1. Klasse erfolgreich absolviert – ohne dort ein einziges Wort zu sagen!

Die Lehrerin mahnte. Es bestand dringender Handlungsbedarf. Aber wie?

Recherchen der Mutter im Internet lenkten u.A. die Aufmerksamkeit auf Therapiehunde. Es gibt viele Beispiele für den überaus erfolgreichen Einsatz von Hunden um die Sprachbarriere von Kindern zu überwinden.

Wie der Zufall es will annoncierte ich zur gleichen Zeit meine Havaneser Hündin Lucy als Therapiehund. Lucy hatte viel Erfahrung bei gemeinsamen Aktivitäten von Mensch und Tier, insbesondere mit Kindern.

Mutter, Vater, Kind kamen zu Besuch und Lucy schloss Lischen sofort in ihr großes Herz. Die Familie hatte sich 3 Tage Zeit genommen für gemeinsame Aktivitäten mit Lucy. Am Tag der Abreise stieg Lucy wie selbstvertändlich in das Auto ein und fuhr mit.

Ein Bild der Familie vorm Weihnachtsbaum wenige Monate später zeigt eine völlig veränderte Familie. Alle strahlen über das ganze Gesicht. Lischen hat stolz die Lucy auf dem Arm.

Lucy ist die Prinzessin der Familie. Es dreht sich nicht mehr Alles um die vergangene Krankengeschichte. Lucy steht im Mittelpunkt. Mit ihrer lustigen, fröhlichen, zugleich verschmusten Art zieht sie Jeden in den Bann. Viele neue Kontakte sind auf den Spaziergängen entstanden und Lischen führt gern ihre Lucy vor.

Als ich nach lägerer Zeit mal wieder das Bedürfnis hatte etwas über Lucys Befinden zu hören ging Lischen ans Telefon und berichtete mir ausführlich.

Zurück bleibt eine Züchterin die eine 7 jährige Hündin abgegeben hat weil sie keine Welpen mehr bekommen sollte und 6 weitere Hunde Aufmerksamkeit und Zuwendung erwarteten.

Lucy, eine Traumhündin, eine Diva, die Rudelcheffin mit der sie unglaublich viele großartige, sehr emotionale Erlebnisse verbinden. Eine Verbindung die weiter besteht und beim Gedanken an die Hündin immer mal wieder Tränen fließen lässt. Es war eine richtige Entscheidung. Eine im Sinne des Hundes, der nun als Einzelhund verdient die volle Aufmerksamkeit seiner Menschen genießt. Ein Glücksfall für die Familie die mit der Aufzucht eines Welpen völlig überfordert gewesen wäre.

So bin ich nun eine schlechte Züchterin denn ein „guter Züchter“ behält seine Alttiere?!?